Avignon: Papstpalast mit umliegendem historischen Ensemble in Avignon






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Das Volkslied über eine alte Steinbrücke hat den Namen Avignon weltbekannt gemacht. Doch ihre wahre Bedeutung erlangte die Stadt im 14. Jahrhundert, als sie Sitz der Päpste war. Auf Grund kriegerischer Unruhen in Italien flüchtete der Papst aus Rom. Die Kurie geriet unter den Machteinfluss des französischen Königs, und das Papsttum wurde nach Avignon gezwungen. "Wo der Papst ist, da ist Rom" und um dem päpstlichen Exil Glanz und Würde zu verleihen, wurde eine mächtige gotische Festung gebaut, die Kirche und Palast zugleich war.
Sieben französische Päpste residierten in Avignon. 67 Jahre war die Stadt Sitz des Heiligen Stuhls und Zentrum der Christenheit. Avignon wurde zum magischen und kulturellen Mittelpunkt Europas. Mitte des 14. Jahrhunderts stieg die Einwohnerzahl innerhalb von 35 Jahren von etwa 6000 auf 30.000. In der Zeit wirtschaftlicher und kultureller Blüte, zeigte sich aber auch die Vergänglichkeit des Reichtums. Die Verschwendungssucht der Päpste, Korruption und Ämterschacher, beschleunigten den Autoritätsverlust des "Heiligen Stuhls" von Avignon. Die sogenannte "Babylonische Gefangenschaft" endete 1376 und Rom wurde wieder Sitz der Päpste.

Avignon, einst Weltbühne für Politik und Kultur, war mehr als ein halbes Jahrtausend nur regional bedeutend. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde der Papstpalast zum nationalen Kulturerbe erklärt und damit wandelte sich die Stadt zur einzigartigen Theaterkulisse. Damals waren es fromme Pilger, Gesandte der adligen Höfe, Kaufleute, Gaukler und Bettler, die nach Avignon kamen. Heute sind es vor allem Kunstinteressierte und Theaterbegeisterte, welche die einstige Stadt der Päpste besuchen.

Avignon steht für Kunst und Kultur. Avignon ist weltoffen und lädt ein, provencialische Lebensart kennenzulernen, denn noch immer gilt: "Sur le pont d'Avignon..."

Buch und Regie: Hans-Jürgen Grundmann
Kamera: Franz Lindner



Kulturdenkmal: Altstadt von einer 4,5 km langen Ringmauer umgeben, im Zentrum der trutzige, 15000 qm große Papstpalast, zudem gotisches Petit Palais und romanische Cathédrale Notre-Dame-des-Doms

Unesco-Ernennung: 1995

48 v. Chr.
römische Kolonie Avenio

730
Zerstörung von Avenio

12. Jh.
erste Blütezeit Avignons, Cathédrale Notre-Dame-des-Doms und Pont St-Bénézet

1309-77
»Jahrhundert der Päpste«; Residenz von sieben Päpsten

1342-52
unter Clemens VI. Eingliederung Avignons in den Kirchenstaat

1378-94
Clemens VII. durch die französischen Kardinäle zum Gegenpapst gewählt

1417
Ende der Kirchenspaltung

1443
Beginn der Herrschaft der Kardinallegaten

1797
im »Frieden von Tolentino« Abtretung von Avignon an Frankreich

1965
bei Ausgrabungen Funde aus der Jungsteinzeit entdeckt


© Chronik Verlag im Bertelsmann Lexikon Verlag GmbH Gütersloh/München 2000 - 2010



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