Delphi: Ruinenstätte Delphi (Apollonheiligtum)






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Über tausend Jahre war das Heiligtum in Delphi Anlaufstelle Ratsuchender aus der ganzen antiken Welt. Könige und einfache Bürger begaben sich zum 'Nabel der Welt', um die Pythia um ein Orakel zu bitten. Die Seherin stand in direkter Verbindung mit Apollo, einem für damalige Verhältnisse überaus fortschrittlichen Gott. Hatte er doch z.B. die Erinnyen, die Rachegöttinnen, für abgesetzt erklärt. Statt der üblichen Blutrache verkündete er schon im 5. Jahrhundert vor Chr. Ideale wie Toleranz, Barmherzigkeit, Rechtstaatlichkeit.

Die Deutung der Orakelsprüche hatten Einfluss auf panhellenistische Einigungsbestrebungen und auf die Kolonisierung des Mittelmeerraums. Über viele Jahrhunderte zählte die Priesterschaft von Delphi zur Elite der antiken Welt.

Der Film beginnt mit der Annäherung an Delphi vom Wasser her, begleitet eine imaginäre Delegation von der übervölkerten Insel Thera, die um Rat nach einem neuen Siedlungsgebiet ersuchen will. Eindrucksvoll erhebt sich der 2.400 m hohe Parnassos vor den Ankömmlingen. Es ist Frühling, die Zeit, in der auch Apollo wie jedes Jahr zu seinem Heiligtum zurückkehrt.

Die Schlange der Wartenden bewegt sich langsam den Weg zum Heiligtum empor, vorbei an den Schatzhäusern und Heldenstatuen, die sich in ihrer Prachtentfaltung zu übertrumpfen suchen. Es sind Dankesgaben der Stadtstaaten aus Kriegen gegeneinander. Griechische Geschichte in ihrer Größe, aber auch in ihrer traurigen Zerstrittenheit zieht am Betrachter vorüber. Endlich erreicht die Delegation das Orakel, den Apollotempel. Vom Außenlicht geblendet, stehen die Fragenden im dunklen Innenraum, erahnen die Seherin. Die Antwort ist schockierend: Libyen, Afrika soll ihr Ziel sein. Der Befehl zum Auswandern - ein Beispiel für die Macht des Orakels.

Buch und Regie: Rüdiger Lorenz
Kamera: Erwin Lanzensberger



Kulturdenkmal: der Apollontempel mit dem »Orakel von Delphi«, das Theater, die Kerna- und die Kastalische Quelle, das Gymnasion und das Heiligtum der Athena Pronaia

Unesco-Ernennung: 1987

seit 8. Jh. v. Chr.
Verehrung des Gottes Apollon in Delphi

600-590 v. Chr.
Erster Heiliger Krieg zwischen Delphi und Krisa

548 v. Chr.
Bau des Apollontempels

nach 478 v. Chr.
Errichtung der Stoa der Athener zur Aufbewahrung der Trophäen aus dem Sieg über die Perser

373 v. Chr.
Erdbeben und Zerstörung des Apollontempels

346 v. Chr.
nach dem Vierten Heiligen Krieg unter dem Einfluss Philipps II. von Makedonien

330 v. Chr.
unter Alexander dem Großen Fertigstellung des wiederaufgebauten Apollontempels

191 v. Chr.
Eroberung durch die Römer

394
Verbot des heidnischen Kultes durch Theodosius den Großen

1893
Wiederentdeckung durch französische Archäologen und Ausgrabungen, u. a. von 5000 Inschriftenstelen

1903-06
Rekonstruktion des Schatzhauses der Athener

1938-41
teilweise Rekonstruktion des Apollontempels


© Chronik Verlag im Bertelsmann Lexikon Verlag GmbH Gütersloh/München 2000 - 2010



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