Accra: Festungen und Schlösser der Kolonialzeit an der Voltamündung, in Accra, der Zentral- und der Westregion






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Europäische Burgen mit Zinnen und Kanonen zwischen Wellblechhütten an kilometerlangen Traumstränden Ghanas. Wie Fremdkörper wirken diese steinernen Zeugen eines über 500 Jahre andauernden Handelsaustausches zwischen Europa und Westafrika. Heute sind die Festungen monsungegerbt und vom Verfall bedroht, aber sie lassen noch erahnen, wie lukrativ die Geschäfte einst waren.

1471 begann der ungleiche Tauschhandel. Nautische Kenntnisse hatten ihn erst möglich gemacht. Auf der Suche nach legendären Reichtümern ankerten damals portugiesische Caravellen an der Küste Westafrikas. In einer geschützten Bucht errichteten sie 1482 den ersten Stützpunkt der Europäer in den Tropen: Elmina. Die stattliche Festung wurde zur Handelsdrehscheibe für Gold und Sklaven, profitabel getauscht gegen europäische Waren. Auch Christoph Kolumbus soll in Elmina gewesen sein, bevor er auf Amerikaentdeckung ging.
Die einträglichen Geschäfte der Portugiesen führten dazu, dass bald andere europäische Kaufleute an Ghanas Goldküste auftauchten, um Portugals Monopol zu brechen. Holländer, Engländer, Franzosen, Schweden, Dänen und sogar Preußen
wollten teilhaben am Westafrikahandel. Auch sie ließen Festungen bauen, brachten Soldaten, Handwerker und Personal nach Afrika und beluden ihre Flotten im Schutz der Forts. Schwere Kanonen bewachten die wertvollen Waren. Bald war die ganze Küste gespickt mit über 60 Bastionen verschiedener Nationen.
Hart, personalintensiv und kostspielig war der Konkurrenzkampf an der Goldküste. Durch exklusive Verträge mit lokalen Stammesfürsten, die Pachtgenehmigungen erteilten und am Handel profitierten, sicherten sich die europäischen Mächte ihre Stützpunkte. In geräumigen Lagern wurden Stoffe, Gewehre, Glasperlen und Geschirr aus Europa gestapelt, in engen Verliesen das menschliche Handelsgut aus dem Hinterland. Allein die Festung Cape Coast hatte Platz für 1.000 Sklaven. Niemand kennt genaue Zahlen, aber wahrscheinlich wurden rund 2.000 000 Schwarzafrikaner von den Küstenforts der Europäer nach Übersee verschifft.

Buch und Regie: Elke Werry
Kamera: Donald Saischowa



Kulturdenkmal: Forts und Burgen entlang eines 500 km langen Küstenstreifens
Ghanas

Unesco-Ernennung: 1979

1471
Landung portugiesischer Seefahrer

1482
Festung São João da Mina (St. George’s Castle, Elmina)

1505
Beginn des Sklavenhandels

1515
Fort São Antonio

1662
englisches Cape Coast Castle, Cape Coast

1661
Christianborg (Osu Castle), Accra

1684
brandenburgisches Fort Sophie Louise, Three Point

1688
holländisches Fort Orange, Sekondi

1721
englisches Fort Victoria, Cape Coast

1764
englisches Fort Metal Cross, Dixcove

1768
englisches Fort Apollonia, Beyin

1807
Ende des Sklavenhandels, durch den 2 Mio. afrikanische Sklaven verschleppt worden waren

1829
englisches Fort Williams, Cape Coast

1850
Goldküste als britische Kolonie und Enteignung holländischer Besitzungen

1874
Goldküste wird Kronkolonie

1954-56
Restaurierung von Fort São Antonio, Axim

1957
Unabhängigkeit Ghanas


© Chronik Verlag im Bertelsmann Lexikon Verlag GmbH Gütersloh/München 2000 - 2010



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