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Das Vall de Boi ist ein schmales Tal, tief hineingegraben in die katalonischen Pyrenäen. Vor mehr als 1000 Jahren entstanden im Tal sieben kleine Dörfer, an die sich wohl niemand erinnern würde, wären zu jener Zeit nicht auch neun romanische Kirchen gebaut worden. Die Abgeschiedenheit hat dazu beigetragen, dass zumindest einige dieser Kirchen noch fast originalgetreu erhalten sind.
Um diese Kirchen ranken sich Geheimnisse. So ist bis heute nicht geklärt, wer all die Arbeiter, Baumeister und Maler waren, die sie errichtet haben. St. Joan de Boi und St. Climente de Taüll sind im Inneren mit wunderbaren Fresken ausgemalt. Heilige und Fabelwesen schmücken die Wände. Ein Lifan, der mit dem namensähnlichen Elefanten die Stoßzähne gemeinsam hat, ein Kamel, das eben von Bergbewohnern und nicht von Wüstensöhnen erdacht wurde... Farben, Formen, die den Gläubigen Geschichten erzählen, Warnungen sein sollten.
Heute lässt sich das Weltbild der Romanik nur noch erahnen. Die Kirchen, das waren Türen zu einer anderen Welt. Dahinter verschwammen die Linien zwischen Realität und Phantasie - das raue Leben zwischen Felsen mit den biblischen Geschichten, die alltäglichen Bedrohungen durch wilde Tiere mit den Visionen von Weltuntergang und jüngstem Gericht. Ein Universum, das dem neuzeitlichen Pyrenäen-Wanderer wie dem Weltläufigen Kunsthistoriker weitgehend ein Rätsel bleibt.
Und letztlich wird es auch ein Geheimnis bleiben, warum gerade hier, jenseits aller großen Handelsstrassen und Städte, in einer kargen Gebirgslandschaft so viele Kirchen errichtet wurden.
Buch und Regie: Patricia Möckel Kamera: Gerd Bleichert
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Kulturdenkmal: Die Dörfer im engen Tal des Vall de Boí in den katalanischen Hochpyrenäen mit ihren romanischen Kirchen.
Unesco-Ernennung: 2000
1050 - 1150 Gründung der Weiler Barruera, Boí, Cardet, Cóll, Durro, Erill la Vall, Saraís und Taüll. Bau der neun Kirchen im Vall de Boí
1123 Einweihung der Kirchen St. Climente und St. Maria in Taüll
ab 1920 Wiederentdeckung der Kirchen durch Antiquitätenhändler
1952 Bau der ersten Straßen in das Tal
heute Die Region um das Vall de Boi ist als Skigebiet erschlossen, eingebettet in den Naturpark "Aiguestores"
© Chronik Verlag im Bertelsmann Lexikon Verlag GmbH Gütersloh/München 2000 - 2010
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