Angra do Heroismo: Stadtzentrum von Angra do Heroismo auf der Azoren-Insel Terceira






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Es war im 15. Jahrhundert. Prinz Heinrichs Seeleute veränderten mit ihren Entdeckungen die Seekarten und das Weltbild der Menschen. 1000 Meilen von der portugiesischen Heimatküste entfernt sichteten die unermüdlichen Eroberer plötzlich Buckel im endlosen Grau des Atlantik. Und sie nannten sie "Acores" wie die Vögel, die über ihnen kreisten "Habichte" nicht ahnend, dass es eigentlich Bussarde waren.

Neun Inseln im tosenden Meer. In ihrem Inneren brodelt und dampft es. Vulkanausbrüche, Erdbeben... - und doch machen sich mutige Menschen auf, die Eilande zu besiedeln. Flamen und Portugiesen, Adlige und arme Bauern segeln ins Ungewisse mit Pflanzensamen, Kühen, Heiligenbildern und Waffen und versorgen das kleine Portugal und seine neu eroberten Gebiete mit dem nötigen Nachschub.

Angra do Heroismo auf der Insel Terceira hält über 300 Jahre eine Schlüsselrolle als Knotenpunkt zwischen drei Kontinenten, als Versorgungshafen für die Entdecker, als Zwischenstation für Schätze beladene Karavellen, als hochmoderne Stadt des 16. Jahrhunderts. Angra, der Anker. Breite Straßen, wie mit dem Lineal gezogen. Eine für das Vieh, eine für edle Herren zu Pferde, eine andere für Getreide und Ochsengespanne. Direkt am Hafen ein Schlachthof, ein Krankenhaus, eine Kirche.

Viele berühmte Seefahrer wird Angra an Land und an Bord gehen sehen, und viele Schätze
sinken hier nach blutigen Seeschlachten auf den Meeresgrund. In Angra wird getauscht, gehandelt. Zucker gegen flämische Gemälde, kirchlicher Segen gegen Gold. Die Vielzahl der Klöster lässt ahnen, wie sehr die katholische Kirche von den Eroberungszügen und den Ängsten der Seefahrer profitierte. Silberne Altäre, brasilianische Hölzer, chinesische Gefäße, elfenbeinerne Kruzifixe... Heute zeigen Angras Kirche davon "im wahrsten Wortsinn" nur noch Bruchstücke. Erdbeben - das letzte 1980 - haben vieles zerstört.

Inseln zwischen den Welten. In ständiger Veränderung. Alle haben etwas mitgebracht und etwas weggenommen: Der Wind und die Vulkane. Die Flamen als erste Siedler, die Spanier als Besatzer, die Engländer mit ihrer Liebe zu den Orangen und die amerikanischen Walfänger. Geblieben ist ein Attribut - "heroismo". Für die freiheitsliebenden Azoreaner, die den Spaniern trotzen, den Monarchisten und den Erdbeben.

Buch und Regie: Eva Witte
Kamera: Gerd Bleichert

19.02.2010 - Phoenix



Kulturdenkmal: »Klein-Lissabon«, u. a. mit dem Castelo São João Baptista, der größten Festungsanlage Portugals

Unesco-Ernennung: 1983

1499
Anlandung der Karavelle des Vasco da Gama nach Entdeckung des Seeweges nach Indien

1534
Stadtrechte

1557-78
Bau des Castelo São Sebastião

um 1570
Bau der Erlöserkathedrale

1614
Erdbeben

1641
nach 11monatiger Belagerung Abzug der Spanier aus dem Castelo São João Baptista

1728-46
Bau der barocken Kirche Misericórdia nach dem Bürgerkrieg 1832-34 durch Königin Maria II. mit dem Titel »Heldenstadt« geehrt

1932-68
während der faschistischen Salazar-Diktatur im Castelo São João Baptista Gefängnis für politische Gefangene

Neujahrstag 1980
Erdbeben und Zerstörung von Angra

1983
Feuer im Turm der Kathedrale


© Chronik Verlag im Bertelsmann Lexikon Verlag GmbH Gütersloh/München 2000 - 2010



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