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Abreißen, Planieren, Neubebauen - das ist das übliche Schicksal von Industrielandschaften, wenn die Produktion nicht mehr lohnt. Stätten der Arbeit galten lange als unästhetisch und reizlos, und deshalb sind nur wenige historische Industrielandschaften heute noch intakt.
Zeche Zollverein in Essen ist die am vollständigsten erhaltene Zechenanlage in Europa. Sie wurde 1986 stillgelegt, aber schon lange vorher war geplant, die Zeche für künftige Generationen zu nutzen. Umwidmung und aufwendige Restauration sind die Stichwörter für einen neuen Umgang mit dem alten Industrierelikt: der Weg führt von der Kohle zur Kunst. Im Kesselhaus der Zeche, wo einst der Dampfdruck für die Bewetterungsanlagen des Untertageabbaus erzeugt wurde, ist heute das Designmuseum Nordrheinwestfalen. Im Turbinenhaus genießt man jetzt im Gourmetrestaurant "Casino Zollverein" exklusive Speisen zwischen Stahlträgern und alten Kesseln. Im Salzlager der Kokerei fand Kabakovs "Haus der Träume" Platz. In der großen Lesebandhalle wurden früher an vielen Bändern Gesteinsbrocken aus der Kohle gelesen - nun finden in ihr Konzerte statt. Seit ihrer Planung 1928 war die Zeche Zollverein eine Attraktion für Architekten und Grubenbetreiber. Den Industriearchitekten Martin Schupp und Fritz Kremmer ist es gelungen, einen Gesamtentwurf zu konzipieren, in dem nicht wie bei den meisten Fabrikationsstätten einzelne Bauelemente aneinandergestückelt oder je nach Bedarf verändert wurden, sondern Funktion und Ästhetik eine Einheit bilden. Von Anfang an wurde Zeche Zollverein bei aller Zweckmäßigkeit auch als repräsentatives Symbol der Arbeit, als Denkmal der Industrialisierung geplant.
Mit der Aufnahme von Zeche Zollverein in die Welterbeliste der UNESCO 2001 bleibt ein einzigartiges Zeugnis der Industriearchitektur erhalten: der Weg der Kohle wird auch in Zukunft nacherlebbar sein.
Buch und Regie: Gisela Mahlmann Kamera: Burkhard Kreisel
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Kulturdenkmal: Zeche Zollverein
Unesco-Ernennung: 2001
1845/46 Mutung der zur Berechtsame gehörenden Einzelfelder
1847 Zusammenfassung der Einzelmutungen unter dem Namen Zollverein
1847/49 Schächte 1 und 2 werden abgeteuft. Konsolidation der Einzelfelder unter dem Namen Zollverein
1866 Bau der ersten Kokerei (30 Öfen)
1874 Die erste Kohlenwäsche wird gebaut
1880 Schacht 3 wird abgeteuft
1886/87 Erneuerung und Erweiterung der Tagesanlagen 1/2
1891 Schacht 4 wird abgeteuft
1894 Schacht 5 wird abgeteuft
1895 Bau einer Kokerei auf 4/5 Schacht 6 wird abgeteuft
1897 Schacht 7 wird abgeteuft, Teufbeginn Schacht 8
1901 Erweiterung der Kokerei 1/2 um 30 Öfen und Abbruch der Koksöfen aus dem Jahre 1866
1902 Tieferteufen Schacht 8
1903 Schacht 9 wird abgeteuft
1903/04 Erweiterung der Kokerei um 60 Öfen
1908 Erneuerung von 30 Koksöfen auf 1/2, Abbruch der 60 Koksöfen aus dem Jahre 1869
1911 Schacht 10 wird abgeteuft
1914 Inbetriebnahme von 60 Koksöfen auf 1/2, Bau einer Kokerei mit 120 Öfen auf 3/7/10
1920 Interessengemeinschaft zwischen der Gewerkschaft Zollverein und der Phönix AG
1922 Schacht 11 wird abgeteuft
1926 Gründung der Vereinigten Stahlwerke AG in die Zollverein und Phönix aufgingen
1926/28 Stilllegung der Kokerei 4/5
1928/32 Errichtung der Tagesanlagen Schacht 12
1929 Einstellung der Schachtförderung 6/9, Schacht 12 wird abgeteuft
1932 Aufnahme der Förderung Schacht 12 unter gleichzeitiger Einstellung der Schachtförderung auf 1/2, 3/7/10 und 4/11, Schacht 5 wird verfüllt
1934 Bildung der Gelsenkirchener Bergwerks AG
1941 Schlagwetterexplosion auf 6/9, 29 Tote (26. Febr.)
1946 12. Sohle ist Hauptfördersohle (610 m Teufe)
1952/57 Ausrichtung der 13. Sohle (756 m Teufe)
1956 Verlängerung des Schachtes 12 von der 12. zur 13. Sohle
1957 Schacht 12 fördert von der 13. Sohle, Beginn der Gefäßförderung
1959 13. Sohle wird Hauptfördersohle (750 m Sohle)
1963 Die Schachtanlage 1/2 wird als eigenständige Betriebsführerabteilung aufgeteilt in die Bereiche 3/10 und 6/9
1967 Stilllegung des Baufeldes 4/11
1966/72 Ausrichtung der 14. Sohle (1000 m Teufe)
1974 Durchschlag der Verbindungsstrecke 14. Sohle Zollverein mit der 10. Sohle Holland. Übernahme der Förderung Holland
1975 Schächte Zollverein 6, Rheinelbe 4 und 6, sowie Bonifacius 2 werden verfüllt
1976 Einrichtung einer Zentralwasserhaltung auf der 10. Sohle für die stillgelegten Anlagen Katharina, Joachim, Victoria-Mathias, Ernestine und Dahlbusch, sowie für die noch im Abbau befindlichen Baufelder Bonifacius und Holland, Schacht Holland 6 wird verfüllt
1977 Ausrichtung der 15. Sohle im Baufeld 3/10 (1150 m Teufe)
1979 Stilllegung des Baufeldes 6/9 und des östlichen Hollandfeldes, Schacht Alma 5 wird verfüllt
1980 Verfüllung der Schächte Zollverein 3 und 7
1982 Schacht 9 wird verfüllt, Durchschlag eines 4,8 km langen Verbindungsquerschlages
1983 Verbundwerk Nordstern - Zollverein
1986 Einstellung der Kohleförderung im Baufeld Zollverein. Beendigung des Bergbaus in Essen am 23. Dezember 1986
1987 Weiterbetrieb der Schächte 12 und 2 für die zentrale Wasserhaltung auf der 14. Sohle mit dem Bergwerk Nordstern 23. Dezember 1986 Letzte Schicht auf Schacht 12
© Chronik Verlag im Bertelsmann Lexikon Verlag GmbH Gütersloh/München 2000 - 2010
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