Wien: Das historische Zentrum von Wien






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In kaum einer europäischen Stadt ist das Morbide so gegenwärtig wie in Wien. Kein Wunder, denn kaum eine Stadt hat eine so innige Verbindung mit dem Tod. Die Todesnähe gehört zum Charakter der Wiener. Alfred Polgar drückte dies so aus: "Der Witz ist nämlich der: wands Leben wüsd, muassts übers Sterbn redn". Nirgendwo sonst wurde der Tod so oft besungen und bedichtet wie in Wien. Darum wird der Tod, der, so Georg Kreisler, "ein Wiener" ist, durch diesen Film führen.
Wir besuchen die Hofburg, das Zentrum der über 600 Jahre währenden Habsburger Monarchie. Kaiser Franz Josef I., ein spartanischer Beamtenkopf, dem jede Phantasie abging, empfing hier die Burgschauspielerin Katharina Schratt. Sie konnte über Geheimgänge vom Theater zu ihm gelangen. Seine, von ihm innigst geliebte, Elisabeth entfloh meist der ungeliebten "Kerkerburg".
Unser Spaziergang führt in die Augstinerkirche, in deren "Herzgrüfterl" die Herzen von 54 Habsburgern in Silberurnen bestattet wurden.
In der Gruft der Michaelerkirche lagern über 250 Särge. Ganze Böden und Wandflächen sind hier mit Knochen bedeckt. Der Tod begleitet uns zum Haas-Haus in dem sich der Stephansdom spiegelt. Auf keinen Fall darf natürlich der Besuch in einem Caféhaus fehlen. "Das Café ist ein Ort für Leute, die allein sein wollen, aber dazu Gesellschaft brauchen", so Alfred Polgar.
Zum Ende unserer kleinen Zeitreise mit dem Tod treffen wir ein lebendiges und ganz neues Wien. Das Museumsquartier, ein Ensemble aus beeindruckenden Neubauten, im Kontrast mit den renovierten Hofstallungen, zeigt, dass vielleicht doch ein wenig von Gustav Klimts Utopie "Nur die Künste führen uns ins ideale Reich hinüber" wahr ist.

Buch und Regie: Goggo Gensch
Kamera: Burkhard Kreisel



Kulturdenkmal: Das historische Zentrum von Wien

Unesco-Ernennung: 2001

1. Jhd. n. Chr.
Römisches Militärlager Vindobona

1155
Heinrich II Jasomirgott macht Wien zu seiner Residenzstadt

um 1200
Bau der Ringmauern

1360
Baubeginn Stephansdom

1529
Erste Türkenbelagerung durch Suleiman II

1683
Zweite Türkenbelagerung

17. Jhd.
Barockisierung der Stadt

1740
Maria Theresia wird Kaiserin von Österreich

1776
Joseph II gründet das Burgtheater, Zeit der Liberalisierung

1805 - 1809
Wien unter der Kontrolle von Napoleon

1814/15
Wiener Kongress

Mitte 19. Jhd.
Blütezeit Wiens und Bauboom; Entstehung der Ringstraßen

1916
Tod Kaiser Franz Josephs

um 1920
Enstehung großer Sozialbauten im "Roten Wien"

1938
Adolf Hitler wird in Wien begeistert empfangen

1945
Ende des 2. Weltkrieges: die Rote Armee steht vor Wien

nach 1950
Wirtschaftswunderzeit

1989
Fall des Eisernen Vorhangs, Wien wird wieder Drehscheibe zwischen Ost und West


© Chronik Verlag im Bertelsmann Lexikon Verlag GmbH Gütersloh/München 2000 - 2010



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