Cilento: Nationalpark Cilento Val di Diano mit Paestum, Velia und der Kartause von Padua






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In Jacob Burckhardts Cicerone, dem unentbehrlichen Begleiter kunstbeflissener Italienreisender des 19. Jahrhunderts, steht der Neptuntempel von Paestum auf Seite eins. Es sei kein Zweifel, meint Burckhardt, daß das Buch mit diesem Gebäude beginnen müsse. Er hält es für das bedeutendste Bauwerk auf italienischem Boden, dabei ist es eigentlich gar kein italienisches, auch kein römisches Gebäude, sondern ein griechisches. Denn das antike Griechenland beschränkte sich keinesfalls nur auf die Ägäis, sondern griff weit nach Westen aus, und einige der bedeutendsten griechischen Städte lagen in Unteritalien. Zu ihnen gehört Paestum, das um 500 v. Chr. gegründet wurde. Seine drei großen Tempel sind in beeindruckenden Ruinen erhalten geblieben - im 18. Jh. wiederentdeckt, wurden sie schnell zu einem unverzichtbaren Bestandteil jeder italienischen Bildungsreise. Hier lernte Europa, was ein Tempel ist - den Einfluss Paestums auf das europäische Stil- und Formempfinden kann man wohl kaum überschätzen. Kaum fünfzig Kilometer südlich von Paestum liegt Velia/Elea, ebenfalls eine griechische Stadt. Hier steht kein einziger Tempel mehr, außer einem mächtigen Stadttor ist alles zerstört, was die Griechen und später die Römer bauten. Dennoch geht ein Zauber von den Ruinen Eleas aus, mehr noch aber von seinem Namen. Die Philosophen aller Jahrhunderte wussten nicht, wo Elea lag, aber sie wussten, was Elea war: Der Ort, an dem die philosophische Schule der Eleaten beheimatet war. Ihr Gründer hieß Parmenides. Bis heute beschäftigt sich die Philosophie unablässig mit diesem großen Denker. Und auch die Naturwissenschaften, die sich erst im Versuch entwickelten, Parmenides zu widerlegen, sind immer noch nicht über ihn hinweg. Unter den wenigen Büsten, die Archäologen hier ausgruben, ist auch eine des Parmenides. Das einzige Bild, das wir von ihm haben.

Buch und Regie: Andreas Christoph Schmidt
Kamera: Holger Schüppel



Kulturdenkmal:Cilento Nationalpark mit Ruinenstätte Paestum und antiker Stadt Velia (Elea)

Unesco-Ernennung:02.12.1998

Paläolithikum (Steinzeit)
das Gebiet ist bereits besiedelt, anhand von archäologischen Funden wird belegt, dass es sich um einen Knotenpunkt des Mittelmeerraumes handelte

seit dem 11 Jh.v.Chr
griechische Kolonien werden gegründet

um 600 v.Chr.
Gründung der griechischen Stadt Poseidonia (heute Paestum genannt)

um 540 v.Chr.
Gründung der griechischen Stadt Elea

6.Jh v.Chr.
kulturelle Blütezeit, Parmenides begründet die "eleatische Schule", und Sitz der ältesten Medizinschule des Kontinents

nach 273 v.Chr.
Cilento wird römische Provinz, der Niedergang als kulturelles Zentrum beginnt

nach 410 n.Chr.
nach dem Untergang des römischen Reiches leben u.a. Westgoten, Ostgoten und Langobarden im Gebiet

752 n.Chr.
die Langobarden nehmen den christlichen Glauben an, damit beginnt der Bau vieler Kirchen und Klöster

um 88 v.Chr.
Elea wird in Velia umbenannt und wird Municipium

1076
die Normannen besiegen die Langobarden und errichten eine Feudalgesellschaft, Zerstörung von Paestum

16./17.Jh.
Aufstände der Briganten gegen die Feudalherrschaft

1828
Revolution gegen die Bourbonen unter Franz II., die in der blutigen Niederschlagung ds Aufstandes ended

seit 1973
Planung eines Nationalparks

1991
Einweihung des cilento Nationalparks, der 215.000 Hektar umfasst sowie von 100km Küstenlandschaft zur Meerseite hin begrenzt wird



© Chronik Verlag im Bertelsmann Lexikon Verlag GmbH Gütersloh/München 2000 - 2010



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